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Von der Gebühr zum Beitrag

Just vor ein paar Tagen kündigte die ARD einen Mehrbedarf in Milliardenhöhe an. Gelegenheit um mal ein bisschen auszuholen:

Nachdem ich meine erste eigene Wohnung bezogen hatte, war es nicht meine erste Idee sich als Beitragszahler bei der GEZ zu melden. Meine Devise war: „Unter dem Teppich bleiben“. Außerdem war ich Student und als Bafög-Empfänger betrachtete ich mich als befreit!

Nun irgendwann beantragte ich kein Bafög mehr und die schöne Illusion war nicht mehr aufrecht zuhalten. Das machte mir auch ein Freund klar und bezeichnete mich kühn als „Schmarotzer“.

Das war eine klare Ansage. Also füllte ich noch am selben Abend das Anmeldeformular aus und war fortan zahlender Teilnehmer. Wirklich glücklich war ich nicht, aber immerhin steckte hinter den Worten meines Freundes eine Idee: „Wenn alle ihren Beitrag leisten, wird es nicht so teurer“ und der Betrag von 5,76 - Euro pro Monat (für meinen Computer) schien auch im Rahmen meiner Möglichkeiten.

Im Januar 2013 wurde dann aus der Gebühr ein Beitrag und es sollte eine Pauschale pro Wohnung von 17,98 - Euro im Monat bezahlt werden. Ich bezahlte jetzt also das Dreifache oder auch nicht in schlechten Monaten. Ich hätte meine beiden ausländischen Mitbewohner zur Kasse bitten können, aber das schien mir noch abwegiger wo ich doch selber nicht verstand welchen Vorteil ich jetzt hatte. Die beiden Mitbewohner hatten wirklich keinen Fernseher aus der Heimat mitgebracht und schauten auch nicht fern.

Man könnte jetzt argumentieren, dass ich den Mitbewohnern einen wesentlichen Teil der Kultur vorenthalten habe. Das Qualitätsprogramm.

Mit der Zeit hörte/sah ich auch einige Sendungen regelmäßig: Deutschlandfunk, DTM im Ersten, Bauerfeind bei 3sat, Roche & Böhmermann auf ZDFkultur. Ich war jetzt nicht nur Teilnehmer, ich fühlte mich auch so.

Habe ich schon geschrieben, dass die ARD einen Mehrbedarf angemeldet hat. Folgende Begründung:

1) Genau genommen gibt es seit Ende 2012 keine Rundfunkgebühr mehr. Und da es deutliche Mehreinnahmen gibt, bin ich wohl nicht der Einzige gewesen für den es eine Verdreifachung gab.

2) Von den Mehreinnahmen gingen 304 Millionen Euro nicht auf Sperrkonten.

3) Benutzt jemand DAB+ oder ist das einfach ein Prestigeprojekt?

4) Digitalisierung der Archive finde ich toll. Es bleibt dann aber die Frage, ob die Archive der Bevölkerung zugänglich gemacht werden? Schon länger gibt es von Einzelnen die Idee von der ARD produzierte Inhalte unter eine freie Lizenz zu stellen (Creative Commons).

Seit Sommer 2009 werden Archivbestände depubliziert und seit September 2010 auch Berichte nach meist siebentägiger Frist. Also genau das Gegenteil.

Ich befürchte jetzt keine Beitragserhöhung, sondern dass die Mehreinnahmen für die nächste Beitragsperiode komplett der ARD zur Verfügung gestellt werden und dass die generische Argumentation von heute komplett–für die übernächste Beitragsperiode–übernommen wird. Inklusive: „Seit 2009 gab es keine Beitragserhöhung“.

Die Stimmung im Netz ist recht ausgeglichen–außer den üblichen Querulanten und dem Heise-Forum gibt es noch Spiegel Online und Jan Böhmermann.