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Dubbing

Die taz beschäftigt sich heute (30.01.15) mit der Filmsynchronisation in deutschen Kinos. Dieses zweifelhafte Privileg hat zunächst wirtschaftliche Gründe. Nach dem Motto: „Mehr Besucher, mehr Geld“. Menschen mit Handicap sind nicht die Zielgruppe. Aber auch ich verstehe nicht alle Sprachen und freue mich oft über synchronisierte Filme–zum Nachteil des Verständnisses.

Ein Negativbeispiel: Der Spielfilm München (Munich, 2005) von Steven Spielberg. Sprachen sind in diesem Film sehr wichtig. Im Original zum großen Teil englisch, aber auch hebräisch, arabisch, französisch, deutsch und italienisch. Was macht nun die deutsche Fassung, wenn sie auf Deutsch im Original trifft. Der Film hat eine merkwürdige Lösung: In einem italienischen Straßenkaffee wird im Original deutsch gesprochen und in der Übersetzung englisch. Und damit die Stimmen auch weiterhin bekannt sind, muss das Deutsche ins Englische synchronisiert werden, obwohl der Filmregisseur hier die Sprache der Figuren bewusst einsetzt. Nur eine Merkwürdigkeit.

Noch ein Beispiel: Im Film Casino Royale (Casino Royale, 2006) tritt ein Schweizer Bankier auf–gespielt von einem deutschen Schauspieler (Ludger Pistor). Ich vermute, dass dem Regisseur hier der Akzent wichtig war. Im Deutschen geht alles verloren.

Gravierender ist vielleicht, dass bei der Übersetzung nicht auf die geeignete Wortwahl zurückgegriffen wird, sondern auf Worte die zur Lippenbewegung passen.

In der taz wird argumentiert, dass der Film durch die Übersetzung zugänglicher wird. Mithin wird versucht auf kulturelle Eigenheiten und Metaphern Rücksicht zu nehmen und ohnehin sei der Film ein artifizielles Produkt. Das mag die Kurzweil befördern, aber das Verständnis?

Verstehen ist halt nicht nur eine Sache der Synchronisation–im Gegenteil.

Es gibt auch einen CRE (Podcast) zu dem Thema.